Blaue Wirtschaft: Stärkung von Frauen durch Makhana-Anbau und Renaturierung von Feuchtgebieten in Bihar, Indien

BETEILIGTE PERSONEN

2.000

THEMA

Klimawandel, Lebenserwerb

ORT

Indien, Bihar

 

Rösten und Poppen der Makhana

Was sind die Herausforderungen?

Die Mallah- und Musahar-Gemeinschaften erwirtschaften rund 90 % der weltweiten Foxnut-Produktion, profitieren jedoch kaum davon: Intermediär-dominierte Marktstrukturen sowie fehlender Zugang zu Verarbeitung, Finanzierung und Absatzmärkten verhindern eine faire Teilhabe an der Wertschöpfung. Frauen tragen mit ihrem generationsübergreifenden Wissen die arbeitsintensivsten Aufgaben – vom Jäten bis zum Rösten und Poppen –, sind dabei aber strukturell benachteiligt, unterbezahlt und durch kastenbasierte Barrieren vom Markt ausgeschlossen.

Verschärft wird dies durch die extreme Armut der Region: Bihar hat eines der niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen Indiens, und besonders die an den Kosi angrenzenden Distrikte in Nord-Bihar sind von Landlosigkeit und fragilen Lebensgrundlagen geprägt. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen liegt im ländlichen Raum bei nur 11,3 % gegenüber 72,3 % bei Männern.

Hinzu kommen durch den Klimawandel verschärfte ökologische Herausforderungen: Der Bezirk Supaul leidet unter chronischen Überschwemmungen, Staunässe und Verschlammung. Veränderte Monsun-Muster mit intensiveren, unvorhersehbareren Niederschlägen und häufigere und extremere Überschwemmungsereignisse werden in der Kosi-Region mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht. Große Flächen liegen dadurch 6–8 Monate im Jahr brach, was konventionelle Landwirtschaft erschwert und Landdegradation sowie invasive Vegetation wie die Wasserhyazinthe begünstigt. Diese Feuchtgebiete bieten jedoch hohes Potenzial für nachhaltige, klimaangepasste Einkommensquellen wie den Foxnut-Anbau.


Was ist das Ziel des Projektes?

Das Projekt fördert die Renaturierung von Feuchtgebieten und den Aufbau einer Foxnuts-Wertschöpfungskette, indem es Frauen aus marginalisierten Gemeinschaften stärkt und – in Kooperation mit dem National Makhana Board – ihren Zugang zu Technologie, unternehmerischer Entwicklung und Märkten verbessert.

Während andere Organisationen im Kosi-Gürtel meist männlich dominierte Landwirtschaft oder Fischerei fokussieren, schließt dieses Projekt mit einem frauenzentrierten, ökologischen Modell eine wichtige Lücke. Partner PHIA schafft Wissensaustauschplattformen und verbreitet Fallstudien sowie Policy Briefs, um geschlechtergerechte Feuchtgebietsbewirtschaftung bekannter zu machen.

Im Zentrum steht der Kapazitätsaufbau: 76 Schulungen zu sechs Themenbereichen befähigen die Frauen, eigene Verarbeitungsbetriebe zu gründen, zu führen und nachhaltige Marktverbindungen aufzubauen.


Was sind die Hauptaktivitäten?

Revitalisierung der Feuchtgebiete

  • Ökologische Kartierung und GIS-gestützte Wiederherstellungspläne für 121 Hektar

  • Entschlammung, Dammreparatur und Entfernung invasiver Arten

  • 10 Feuchtgebiets-Komitees mit 80 Mitgliedern sowie Schulung von 1.000 Landwirt:innen aus den Mallah- und Musahar-Gemeinschaften für den lokal geführten Schutz und die nachhaltige Nutzung der Feuchtgebiete

Nachhaltiger Makhana-Anbau

  • Schulungen für 1.000 Landwirt:innen zu Teichvorbereitung, Saatgut, Wassermanagement, umweltfreundlicher Schädlingsbekämpfung und Ernte

  • Starter-Kits mit Pflanzmaterial, Biodüngern, Schutzausrüstung und Werkzeugen

  • Regelmäßige technische Vor-Ort-Begleitung und saisonale Beratung

Unternehmerische Stärkung von Frauen

  • Business-Trainings für 700 Landwirtinnen

  • Förderung politischer Teilhabe durch Fokusgruppen und Zugang zu Sozialprogrammen

  • Wissensprodukte in Landessprache sowie Mentoring der Erzeugerorganisationen (FPOs) durch externe Fachagenturen zu Marktbereitschaft, Finanzmanagement und Führung

Verarbeitung & Marktanbindung

  • Aufbau von zwei FPO-geführten Verarbeitungsanlagen und 15 Produzentengruppen mit 700 Bäuerinnen

  • Gründung und Kapazitätsaufbau zweier Erzeugerorganisationen (Governance, Finanzmanagement, Compliance)

  • Geschäftspläne für langfristige finanzielle Unabhängigkeit

  • Direkte Marktverbindungen zu Händlern, Bio-Marken und E-Commerce

Politisches Umfeld & Wissensaustausch

  • Unterstützung der FPOs bei Co-Finanzierung und Förderanträgen

  • Drei Policy Briefs mit Empfehlungen an Regierung und Ministerien

  • Dokumentationsbericht für das National Makhana Board

  • Bundesweite Veranstaltung 2028 zur Vorstellung des Modells und seiner Skalierbarkeit


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