„Stimme der Frauen“

Zugang zu effektiven juristischen Dienstleistungen für Gewaltopfer, besonders aus den Gemeinschaften der Dalit, Adivasi und anderen marginalisierten Gruppen

Thema:
Gewalt gegen Frauen

Ort:
Indische Bundesstaaten Madhya Pradesh, Uttar Pradesh, Chhattisgarh, Maharashtra

Projektlaufzeit:
01.04.2019 bis 31.12.2022

Budget:
555.146 €, davon 416.360 € Zuschuss vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Die verbleibenden 138.786 € werden von Karuna Deutschland e.V. und Karuna Trust UK getragen.

Erreichte Zielgruppe:
6.500 Dalit- und Adivasi-Frauen, 160 Graswurzelorganisationen, 100 Anwälte der staatlichen Rechtsbeihilfe, 450 Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, sowie Familien und Ehemänner von betroffenen Frauen. Weitere 30.000 Angehörige der Gemeinschaften.

Indirekt werden etwa 100.000 Personen erreicht.

Herausforderungen

Gespräch

Gewalt gegen Frauen ist in Indien weit verbreitet. Für Dalit- und Adivasi-Frauen ist es besonders schwierig, Zugang zur Justiz zu erhalten. Da die Täter selten vor Gericht gestellt werden, gelten Dalit- und Adivasi-Frauen als „leichte Ziele“ für sexuelle Gewalt und andere Verbrechen. In ländlichen Gebieten ist der Zugang zu staatlichen Rechtsdiensten für Dalit- und Adivasi-Frauen äußerst begrenzt. Zudem erhalten Frauen in diesen Gebieten nur selten Unterstützung von unabhängigen Organisationen. Die ausgewählten 12 Distrikte in vier Bundesstaaten fallen durch eine hohe Anzahl an Gewaltfällen auf. Dieser Situation soll mit einer Kombination von Maßnahmen zur direkten rechtlichen Unterstützung der betroffenen Frauen, zur Stärkung ihrer Selbsthilfestrukturen sowie mit Advocacy-Arbeit und öffentlicher Bewusstseinsbildung zum Thema Gewalt gegen Frauen begegnet werden.

Ziel des Projekts

Frauen, die Gewalt überlebt haben, können sich verteidigen und rechtliche Schritte einleiten. Frauenselbsthilfegruppen an der Basis sowie lokale und regionale Organisationen der Zivilgesellschaft sind gut ausgebildet und kompetent, um Frauen, die Missbrauch und Gewalt erlebt haben, wirksam zu unterstützen. Anwälte für staatliche Rechtshilfe sind geschult und sensibilisiert, um insbesondere Dalit- und Adivasi-Frauen besser zu vertreten. Einzelne Gerichtsverfahren und Petitionen auf höherer Ebene stärken die Rechte der Frauen. In den Zielgebieten werden Männer und Familien sensibilisiert und unterstützen Opfer von Gewalt.

Hauptaktivitäten

  • Ausbildung und Kapazitätsaufbau von Frauenorganisationen und Selbsthilfegruppen
  • Kapazitätsaufbau von Organisationen der Zivilgesellschaft
  • Ausbildung von Rechtshelfern und Barfußanwälten
  • Ausbildung, Sensibilisierung und Mentoring von Anwälten des juristischen Dienstes
  • Rechtliche und soziale Unterstützung für Überlebende von Gewalt
  • Kampagnen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit
  • Arbeit mit heranwachsenden Jungen und Männern

Corona-Update

Wir wissen, dass Frauen und Mädchen unverhältnismäßig stark von der Pandemie betroffen sind. Gerade durch die bei Epidemien eigentlich zum Schutz der Bevölkerung und zur Aufrechterhaltung der Gesundheitssysteme ergriffenen Maßnahmen werden Frauen besonders häufig Opfer von Gewalt. Weil überall auf der Welt Menschen gezwungen sind zuhause zu bleiben, sind Frauen und Mädchen einem erhöhten Risiko häuslicher Gewalt, von Gewalt durch Intimpartner, von Kindesmissbrauch und von anderen Formen sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt.

Während der Pandemie ist es für Projektmitarbeiterinnen schwierig, gefährdete Frauen zu erreichen. Das „Stimme der Frauen“-Team führte in Zusammenarbeit mit dem Helpline-Team regelmäßige Nachfassanrufe bei allen im System erfassten Fällen durch. Sie arbeiten mit der Polizei, den Medien, Nachrichtenagenturen und Überlebendenforen im ganzen Land zusammen. 1.237 überlebende Gewaltopfer erhielten während der Ausgangssperre praktische Unterstützung.

Fallgeschichte

Duja Malviya (Name geändert) ist 22 Jahre alt und stammt aus dem Distrikt Bhopal. Wegen häuslicher Gewalt und anderer familiärer Probleme lebt sie seit eineinhalb Jahren getrennt von ihrem Mann. Als sie in einem Immobilienbüro arbeitete, hatte sie Mühe, genug Geld für ihre Familie zu verdienen. Sie lernte einen Mann kennen, der ihr bessere Chancen versprach und ihr auch versprach, sie zu heiraten und ihr ein besseres Leben zu ermöglichen. Nach einiger Zeit bat der Mann Duja, ihn bei einem Besuch in Indore zu begleiten, und sie mieteten einen Raum, in dem er sie vergewaltigte. Die Situation wiederholte sich regelmäßig, und die ganze Zeit versprach er, Duja zu heiraten. Als sie schwanger wurde, bat sie ihn, sie endlich zu heiraten. Er aber lehnte nun ab mit der Begründung, dass sie von seiner Familie nicht akzeptiert werden würde. Nach langem Kampf mit der Polizei und Dujas eigener Familie schaffte sie es, Anzeige zu erstatten. Ihre Familie unterstützte die Anzeige nicht, da sie der Familie einen schlechten Ruf einbringen könnte, zumal Duja bereits von ihrem ersten Ehemann getrennt war.

Nach einem Monat nahm die Polizei die Anzeige wegen wiederholter Vergewaltigung derselben Frau auf. Das „Stimme der Frauen“-Team erfuhr aus der Lokalzeitung von dem Fall. Duja wurde vom Team beraten und es begann mit der Tatsachenermittlung. Das Team unterstützte die rechtlichen Schritte während des laufenden Prozesses und drängte das Gericht zu weiteren Maßnahmen. Gleichzeitig unterstützte das Team Duja durch die kontinuierliche Teilnahme an den Gerichtsterminen während des gesamten Prozesses. Leider wurde der Angeklagte aufgrund eines Fehlers des Gerichts während des ersten Prozesses auf Kaution freigelassen. Das war ein Schock und eine Bedrohung für Duja. Das Rechtsteam beantragte die Annullierung der Kaution des Angeklagten und sorgte dafür, dass dieser erneut verhaftet wurde. Darüber hinaus wurde Duja medizinisch unterstützt, und sie nahm auch an einem Programm der Organisation Jan Sahas zur Sicherung des Lebensunterhalts teil. Dieser Fall wird immer noch beobachtet und weiterverfolgt, da das Urteil und Dujas Rehabilitation noch ausstehen. Duja verdient nun ihren eigenen Lebensunterhalt und ist zuversichtlich, dass ihr am Ende Gerechtigkeit widerfahren wird. Sie will anderen Frauen ein Beispiel geben, die wie sie ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen wollen.

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