Nepal: Starke Mädchen!

Heranwachsende Mädchen (und Jungen) aus Dalit- und weiteren sozial benachteiligten Gemeinschaften in Süd-Nepal erhalten Zugang zu guter Bildung und einer besseren Zukunft

Thema:
Bildung, Stärkung von Mädchen und Frauen, Schaffung von Einkommen

Ort:
Terai, Süd-Nepal

Projektlaufzeit:
01.09.2018 bis 31.12.2021

Budget:
448.000 €, davon 341.000 € Zuschuss vom Bundes­ministerium für wirtschaftliche Zusammen­arbeit und Entwicklung (BMZ). Die verbleibenden 62.451 € werden von Karuna Deutschland e.V. und Karuna Trust, Großbritannien, getragen.

Erreichte Zielgruppe:
Die primäre Zielgruppe besteht aus etwa 900 Dalit-Mädchen im Alter von 8 bis 14 Jahren, die in extremem Maße ausgegrenzt sind und besonderer Unterstützung bedürfen. Insgesamt besuchen fast 6.000 Schülerinnen und Schüler die 15 ausgewählten Zielschulen. Sie alle profitieren von besseren Bedingungen und besser ausgebildeten Lehrern. 210 Lehrer sind die Zielgruppe für die Lehrerausbildung. 600 Mütter nehmen an 24 Müttergruppen mit einkommenschaffendem und unternehmerischem Training teil. Eine weitere Zielgruppe sind alle Vertreterinnen und Vertreter der Schulen, der Schulverwaltung und anderer staatlicher Akteure, darunter etwa 135 Mitglieder der SMCs (School Management Committees) der 15 Schulen.

Herausforderungen

Dalit-Mädchen im Alter von 8 bis 14 Jahren in Nepal und insbesondere in den drei Zielbezirken im Terai müssen große soziale und wirtschaftliche Hinder­nisse überwinden, um die Schule erfolgreich abzuschließen. Es gibt fünf Hauptgründe, warum Dalit-Mädchen ihr Recht auf Bildung nicht wahrnehmen können:

  1. Aufgrund von Kasten- und Geschlechter­diskriminierung stehen Dalit-Mädchen am untersten Ende der sozialen Skala.
  2. Die Eltern legen traditionell wenig Wert auf die Bildung von Mädchen.
  3. Arme und wenig gebildete Eltern haben Angst vor den Kosten für die Bildung ihrer Töchter.
  4. Unzureichende Ausstattung (Toiletten, Möbel, Material), schlechte Didaktik und negative Erfahrungen von Mädchen in der Schule führen zu Unsicherheit und Ablehnung.
  5. Mädchen verlassen die Schule aufgrund einer frühen Heirat; angetrieben durch die wirtschaftliche Not der Familie.

Die ausgewählten Distrikte zeichnen sich durch einen hohen Anteil benachtei­ligter Gemeinden und niedrige soziale Indikatoren aus. In den drei Distrikten sind 15 Schulen besonders förderungs­bedürftig; sie wurden alle besucht und in die Planung mit einbezogen.

Ziel des Projekts

Mädchen aus marginalisierten (ausgegrenzten) und Dalit-Gemein­schaften haben gleich­berechtigten Zugang zu einer integrativen, qualitativ hoch­wertigen Bildung, die es ihnen ermöglicht, in drei Distrikten des Terai die Grund­schule abzuschließen und in die Sekundar­schule überzuwechseln.

Hauptaktivitäten

  1. Bessere Schulen: Ausbildung von Lehrern und Sanierung der Schulumgebung.
  2. Power-Programm „Starke Mädchen“: Stärkung heran­wachsender Mädchen, damit sie das notwendige Vertrauen gewinnen, um für ihre Rechte und ihr Wohlergehen kämpfen zu können.
  3. Wirtschaftliche Stärkung von Dalit-Familien: Berufsausbildung und Schaffung von Einkommens­möglichkeiten für Mütter in Selbsthilfegruppen.
  4. Lokale Akteure unterstützen die Bildung von Mädchen: Sensibilisierung der Bildungs­behörden in ländlichen Gemeinden für die Bedürfnisse heranwachsender Mädchen.
 

Fallstudien/Wirkungsgeschichten

Sunita​* aus der 5. Klasse

Als mit dem Lockdown im März alle Schulen in Nepal schlossen, waren die Kinder der 15 Schulen im Starke-Mädchen-Projekt plötzlich nur noch zuhause in ihren Dörfern. Sunita ist eine von ihnen: „Ich war bestürzt, als unsere Schule wegen Corona geschlossen wurde. Auf einmal hatte ich gar keinen Kontakt zu meinen Lehrern mehr. Und so lange ohne Unterricht – da hatte ich Angst, dass ich alles wieder vergessen würde.“

Wegen Corona sind die Schulen geschlossen – das Radio-Lernprogramm des Projekts „Starke Mädchen“ in Nepal ermöglicht das Lernen zuhause

Sunitas Eltern konnten ihr nicht helfen, sie waren völlig damit beschäftigt, den Alltag zu meistern und genug zu essen für die sechsköpfige Familie zu beschaffen. Zum Glück haben unsere Projektpartner schnell reagiert und ein Lernprogramm für Radio und Fernsehen auf die Beine gestellt. Dank einer zusätzlichen Unter­stützung durch das BMZ konnte Karuna Deutschland schnell die nötigen Mittel bereitstellen. Sunita beschreibt das Programm: „Es ist einfach zu verstehen und ich komme gut mit. Jeden Nachmittag um fünf Uhr kommt die Sendung für die fünfte Klasse. Und einmal in der Woche kommt unser Lehrer ins Dorf und bringt uns neue Arbeits­blätter und bespricht, was wir gemacht haben. Toll, dass wir trotz Corona weiter lernen können.“

 

* Name geändert

Gyanodaya-Frauenselbsthilfegruppe

Aufgrund der sich ausweitenden Pandemie sind viele Menschen arbeitslos oder in ihren Erwerbsmöglichkeiten eingeschränkt. Doch die Mitglieder der Gyanodaya-Frauengruppe haben in dieser schwierigen Zeit eine andere Geschichte zu erzählen.

Sie sind sehr beschäftigt – mit der Herstellung und dem Verkauf von Waschpulver. Kurz bevor die nepalesische Regierung im März eine landesweite Abriegelung verhängte, konnten die Mitglieder der Gyanodaya-Selbsthilfegruppe weitere Rohstoffe kaufen, die zur Herstellung von Waschpulver benötigt werden. Die Produktion war also kein Problem, aber der Verkauf dieser Produkte während des Lockdowns war eine große Herausforderung. Die Märkte waren geschlossen und viele Geschäfte weigerten sich, neue Produkte zu kaufen. Mit Hilfe des Projektteams gelang es ihnen, neue Zielgruppen zu erschließen und so neue Kunden zu gewinnen. „Jede Frau benötigt Waschpulver, es lag also nahe, es unseren Nachbarinnen anzubieten. Es ist uns gelungen, unser gesamtes Waschpulver während des Lockdowns in unserer Nachbarschaft zu verkaufen“, sagt Buddhishri, die Leiterin der Gruppe.

Die Gyanodaya-Frauengruppe hat an der Berufsausbildung im Juli 2019 teilgenommen. „Wir wollten unbedingt mehr tun, deshalb haben wir entschieden, unsere Gruppe bei der lokalen Regierung zu registrieren. Außerdem haben wir beschlossen, neben dem Waschpulver auch Räucherstäbchen und Toilettenreiniger herzustellen. Wir sind in der Lage, unsere Produkte zu verkaufen und ein gutes Einkommen zu erzielen.“ Sogar die lokale Regierung wurde auf die Arbeit aufmerksam. So konnte die Gruppe erfolgreich einen kleinen Zuschuss beantragen. Damit konnte dann eine richtige Maschine zur Waschpulverherstellung gekauft werden.

„Diese Unterstützung durch die lokale Regierung hat uns sehr ermutigt und ermöglicht uns ein langfristiges Einkommen“, freute sich Kamala, ein Mitglied der Gruppe.

Die Gynodaya-Frauengruppe ist Teil des Projekts „Starke Mädchen“. Wer hätte gedacht, dass ein einwöchiges Training zur Herstellung von Waschpulver und Räucherstäbchen eine solche Wirkung für 20 Frauen und ihre Familien haben könnte? Es rettete die Familien auch in den harten Tagen des Lockdowns und der wirtschaftlichen Rezession. Kamala sagt: „Dieses Mal konnten wir von dem Gewinn, den wir aus den vorherigen Verkäufen gemacht haben, die doppelte Menge an Rohstoffen kaufen. Jetzt blicken wir noch optimistischer in die Zukunft.“

 

Die Mayadevi-Schule in Butwal, Rupandehi, vor dem Projektstart


Die Schule eingezwängt zwischen Fluss und Kanal


Der Schulleiter (im blauen Hemd) ist der einzige Lehrer hier


Schülerin trägt ein Gedicht vor


Ein typisches Klassenzimmer

 

Projektfortschritt

Projektbericht 2019 …

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