Der Fall Shantabai: Kinderbraut wird Rechtsberaterin im Kampf für Frauenrechte

Shantabai - 52 Jahre alt - lebt in einem kleinen Dorf in Maharashtra, Indien. Sie ist das fünfte Kind und hat zehn Geschwister. Ihr Vater arbeitete ursprünglich als Maurer. Sie war eine Kinderbraut und wurde im Alter von nur einem Jahr mit einem fünfjährigen Jungen verheiratet. Shantabai, obwohl sie offiziell in der Schule eingeschrieben war, besuchte nie den Unterricht, da sie in der Schule wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer „unberührbaren“ Kaste gehänselt wurde. Heute hat sie sich mühsam das Notwendigste beigebracht, um ihre Arbeit als Rechtsberaterin machen zu können.

Durch eine schwere Dürre im Jahr 1972 war ihre Familie gezwungen, auf der Suche nach Nahrung und Arbeit ihr Dorf zu verlassen. Sie ließen sich in einem Slum im Bezirk Mukhed nieder und leben seitdem dort. Shantabais Kampf um Gerechtigkeit für die Mitglieder ihrer Gemeinschaft war lang. Angefangen als Tagelöhnerin, wurde sie zur Gewerkschaftsführerin, die für die Rechte armer und ausgegrenzter Menschen kämpfte, die Mindestlöhne sicherte und ihre Stimme gegen Ausbeutung und Diskriminierung erhob. Im Jahr 2014 kam sie in Kontakt mit dem Sadhana Institute for Social Development, einem Maitri-Partner. Sadhana bildet u.a. Aktivistinnen in Maharashtra aus. Jetzt arbeitet Shantabai im Maitri Projekt mit und berät Frauen nach Gewalterfahrung.

Shantabai leitet die Kampagne zur Sensibilisierung für Gewalt gegen Frauen in ihrem Bezirk. Die Zugehörigkeit zum Maitri Network hilft Shantabai, ihre Kompetenzen auszuweiten. Sie nimmt regelmäßig an Treffen und Trainingsworkshops für "Paralegals" teil, die vom Projekt organisiert werden. So konnte sie sich in verschiedene Gesetze und Programme für Frauen und Kinder einarbeiten. Heute führt sie regelmäßig Beratungen durch, organisiert Schulungen, interagiert mit Regierungsbeamten und bildet Aktivistinnen in ihrer Gemeinschaft aus.

Obwohl sie selbst eine Kinderbraut war, arbeitet sie nun in ihrem Distrikt an der Beseitigung von Kinderehen. Früher nahm sie, wie alle, ganz selbstverständlich an Kinderhochzeiten teil. Jetzt aber sind ihr die negativen Auswirkungen und Übel dieser Praxis klar geworden und sie kämpft dagegen an. Sie bezieht mutig Stellung, indem sie sich weigert, an solchen Hochzeiten teilzunehmen. Da sie mittlerweile eine bekannte Aktivistin und damit Respektsperson ist, hat das Gewicht. 

Shantabai sagt: "Ich arbeite seit 30 Jahren mit Frauen zusammen - die Zusammenarbeit mit Maitri hat mir geholfen, schwierige Gruppen wie Regierungsbeamte systematisch einzubeziehen. Denn die müssen ja Fälle von Gewalt gegen Frauen bearbeiten. Wir bemühen uns, jede betroffene Frau zu unterstützen. Das hat dazu geführt, dass der Beamte, der für die Intervention in Fällen von häuslicher Gewalt zuständig ist, jetzt 40 % mehr Fälle bearbeiten muss. Er hat sich schon beschwert!"

 

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