Maitri-Netzwerk:
Gewalt gegen Frauen in Indien wirksam bekämpfen

Thema:
Gewaltprävention, Rechtshilfe, Stärkung von Frauen

Ort:
Indische Bundesstaaten Madhya Pradesh (Koordination), Delhi, Maharashtra, Tamil Nadu, Odisha, Jharkhand, Chhattisgarh, Uttar Pradesh, Rajasthan

Projektlaufzeit:
01.06.2020 bis 31.12.2023

Budget:
741.460 €, davon 556.095 € Zuschuss vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Die verbleibenden 62.451 € werden von Karuna Deutschland e.V. und Karuna Trust UK getragen.

Erreichte Zielgruppe:
52.800 Frauen und Mädchen, 1.290 Überlebende von sexualisierter Gewalt, 4.000 männliche Jugendliche oder junge Männer, 5.120 öffentliche Vertreter von Polizei und Behörden, 25 Netzwerk­organisa­tionen.

Herausforderungen

Dalit- und Adivasi-Frauen werden überdurchschnittlich häufig Opfer von sexualisierter Gewalt und haben gleichzeitig die geringsten Chancen, Zugang zu Gerechtigkeit zu erhalten. Weil die Täter selten zur Rechenschaft gezogen werden, gelten Dalit- und Adivasi-Frauen als „einfache Ziele“ für sexualisierte Gewalt und andere Straftaten. Auf dem Land sind die staatlichen sozialen und juristischen Dienstleistungen für diese Frauen extrem begrenzt, die staatlichen „One-Stop-Crisis-Centers“ oft nicht funktional oder noch nicht vorhanden. Dalit und Adivasi-Frauen in diesen Gebieten erfahren auch selten Unterstützung durch unabhängige Organisationen. Auch von ihren Familien werden sie nur selten unterstützt, wenn sie sich überhaupt dazu entschließen können, eine Vergewaltigung anzuzeigen.

Ziel des Projekts

Die Maitri-Partnerorganisationen werden in ihrer Arbeit in 32 ausgewählten Distrikten weiter gestärkt. Sie setzen sich ein für die soziale und juristische Unterstützung betroffener Frauen, Stärkung der Selbsthilfestrukturen und betreiben Advocacyarbeit und öffentliche Sensibilisierung und tragen so dazu bei, dass Frauen aus marginalisierten Gruppen in Indien frei von Gewalt, gleichberechtigt und in Rechtsicherheit leben können.

Hauptaktivitäten

  • Psycho-soziale und juristische Unterstützung für die Opfer sexueller Gewalt.
  • Sensibilisierung männlicher Jugendlicher und junger Männer und Ausbildung als Multiplikatoren sowie Durchführung von Workshops für lokale Führer und örtliche Selbsthilfegruppen (CBOs)
  • Ausbildung von Vertretern öffentlicher Stellen wie One-Stop-Centers, Polizei, Gerichte, Staatsanwälte, Anwältinnen für den angemessenen Umgang mit traumatisierten Frauen.
  • Vernetzung und Weiterbildung für den Umgang mit sexualisierter Gewalt der etwa 30 Maitri-Führungskräfte, 32 Fellows von 25 gemeinnützigen Vereinen und 100 Rechtshelferinnen und Rechtshelfer („barefoot lawyers“), die für Frauenrechte arbeiten.

Fallstudien/Wirkungsgeschichten

Der Fall Shantabai: Kinderbraut wird Rechtsberaterin im Kampf für Frauenrechte

ShantabaiShantabai – 52 Jahre alt – lebt in einem kleinen Dorf in Maharashtra, Indien. Sie ist das fünfte Kind und hat zehn Geschwister. Ihr Vater arbeitete ursprünglich als Maurer. Sie war eine Kinderbraut und wurde im Alter von nur einem Jahr mit einem fünfjährigen Jungen verheiratet. Shantabai, obwohl sie offiziell in der Schule eingeschrieben war, besuchte nie den Unterricht, da sie in der Schule wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer „unberührbaren“ Kaste gehänselt wurde. Heute hat sie sich mühsam das Notwendigste beigebracht, um ihre Arbeit als Rechtsberaterin machen zu können.

Durch eine schwere Dürre im Jahr 1972 war ihre Familie gezwungen, auf der Suche nach Nahrung und Arbeit ihr Dorf zu verlassen. Sie ließen sich in einem Slum im Bezirk Mukhed nieder und leben seitdem dort. Shantabais Kampf um Gerechtigkeit für die Mitglieder ihrer Gemeinschaft war lang. Angefangen als Tagelöhnerin, wurde sie zur Gewerkschaftsführerin, die für die Rechte armer und ausgegrenzter Menschen kämpfte, die Mindestlöhne sicherte und ihre Stimme gegen Ausbeutung und Diskriminierung erhob. Im Jahr 2014 kam sie in Kontakt mit dem Sadhana Institute for Social Development, einem Maitri-Partner. Sadhana bildet unter anderem Aktivistinnen in Maharashtra aus. Jetzt arbeitet Shantabai im Maitri-Projekt mit und berät Frauen nach Gewalterfahrung.

Shantabai leitet die Kampagne zur Sensibilisierung für Gewalt gegen Frauen in ihrem Bezirk. Die Zugehörigkeit zum Maitri-Netzwerk hilft Shantabai, ihre Kompetenzen auszuweiten. Sie nimmt regelmäßig an Treffen und Trainingsworkshops für „Paralegals“ teil, die vom Projekt organisiert werden. So konnte sie sich in verschiedene Gesetze und Programme für Frauen und Kinder einarbeiten. Heute führt sie regelmäßig Beratungen durch, organisiert Schulungen, interagiert mit Regierungsbeamten und bildet Aktivistinnen in ihrer Gemeinschaft aus.

Obwohl sie selbst eine Kinderbraut war, arbeitet sie nun in ihrem Distrikt an der Beseitigung von Kinderehen. Früher nahm sie, wie alle, ganz selbstverständlich an Kinderhochzeiten teil. Jetzt aber sind ihr die negativen Auswirkungen und Übel dieser Praxis klar geworden und sie kämpft dagegen an. Sie bezieht mutig Stellung, indem sie sich weigert, an solchen Hochzeiten teilzunehmen. Da sie mittlerweile eine bekannte Aktivistin und damit Respektsperson ist, hat das Gewicht.

Shantabai sagt: „Ich arbeite seit 30 Jahren mit Frauen zusammen – die Zusammenarbeit mit Maitri hat mir geholfen, schwierige Gruppen wie Regierungsbeamte systematisch einzubeziehen. Denn die müssen ja Fälle von Gewalt gegen Frauen bearbeiten. Wir bemühen uns, jede betroffene Frau zu unterstützen. Das hat dazu geführt, dass der Beamte, der für die Intervention in Fällen von häuslicher Gewalt zuständig ist, jetzt 40 % mehr Fälle bearbeiten muss. Er hat sich schon beschwert!"

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