Mädchenbildung in Nepal - Rekhas neue Chance
Wie nach dem Schulabbruch Wiedereingliederung gelingt
Veröffentlicht am 15. Januar 2026
Rekha strahlt - durch das Lernzentrum vom Lernchampions Projekt wurde der Weg für sie frei - schau dir das schöne Video auf Youtube an!
Rekha ist jetzt in der elften Klasse und auf dem Weg, die Schule mit der Hochschulreife abzuschießen. Sie wünscht sich, selbst Lehrerin zu werden und Mädchen zu helfen, eine gute Schulbildung zu erlagen.
Noch vor drei Jahren sah ihre Situation ganz anders aus. Ihre Mutter musste sie in der neunten Klasse von der Schule nehmen, da sie sich die Ausbildung der Tochter nicht weiter leisten konnte. Für sie war es normal, dass Kinder aus armen Haushalten nur bis zur fünften Klasse zur Schule gehen. Rekhas ältere Schwester wurde im Alter von sechzehn Jahren verheiratet und das wäre wohl auch Rekhas Schicksal geworden.
„„Ich musste die Schule verlassen, aber ich hatte den Wunsch, weiter zu lernen, nie aufgegeben.“ sagt Rekha.“
Zum Glück kam das Lernchampions Projekt zum richtigen Zeitpunkt in ihr Dorf Pragati Mavi.
Bisher erreichten nur etwa 25% der Mädchen aus den marginalisierten Familien in ihrem Bezirk einen Schulabschluss. Das will das Lernchampions Projekt ändern. Projektziel ist es, dass 55% der Mädchen aus benachteiligten Familien wie Rekha den Schulabschluss meistern.
Kapil Puri, Projektmanager Lernchampions Projekt
Kapil Puri ist der lokale Projektmanager unserer Partnerorganisation REED vom Lernchampions Projekt. In den Bezirken Kanchan und Rhamba konnten im bisherigen Projektverlauf in sieben Lernzentren 122 Mädchen aus benachteiligten Familien, die die Schule abbrechen mussten, Lernunterstützung erhalten und so wieder in den Schulunterricht integriert werden.
Strukturen der Dignity Zentren
In den Lernzentren, den sogenannten „Dignity Centers”, erfahren sie in speziellen Lerngruppen besondere Betreuung durch geschulte Lehrkräfte. Dieser Ort ermöglicht ihnen, ohne Ablenkung durch familiäre Pflichten, sich ganz auf das Lernen zu konzentrieren und sich mit anderen Mädchen in gleicher Situation gegenseitig zu stärken. Die Mädchen erhalten Beratung, Schulungen in wichtigen Lebenskompetenzen, Hygieneartikel, Schreibwaren und haben Zugang zu Lernmaterialien, Nachschlagewerken und Datenbanken.
Die allgemeinen und lebenspraktischen Kurse in den Dignity Centers richten sich an alle Mädchen – unabhängig davon, ob sie die Schule abgebrochen haben oder nicht. In einem geschützten Rahmen setzen sie sich mit wichtigen Themen wie Kinderheirat, Geschlechtergerechtigkeit, positivem und negativem Denken, reproduktiver Gesundheit, Menstruationshygiene sowie dem Mitgiftensystem auseinander.
Zur zusätzlichen Motivation werden Videos eingesetzt, die soziale Missstände sichtbar machen und für unterschiedliche Formen von Gewalt sensibilisieren. Ergänzt wird das Angebot durch kreative Aktivitäten wie Theater und weitere kreative Projekte. Diese stärken das Selbstbewusstsein der Mädchen, fördern ihre Ausdrucksfähigkeit und geben ihnen Raum, ihre eigenen Erfahrungen zu reflektieren und zu teilen.
Kamal Giri (Hilfslehrkraft) spricht mit Mädchen, die gefahrlaufen die Schule abzubrechen und motiviert sie, ins Dignity Zentrum zu kommen
Sieben Ehrenamtliche engagieren sich in den Dignity Centers und in den dazugehörigen Bezirken. Sie besuchen die Mädchen und ihre Familien zuhause, um die Eltern zu beraten und die individuellen, familiären Situationen der Mädchen besser zu verstehen. Mädchen, die gefahrlaufen, die Schule abzubrechen, werden so frühzeitig identifiziert und aufgefangen.
Jedes Dignity Center wird von einem Management-Komitee begleitet, der unter aktiver Einbindung der lokalen Bevölkerung gebildet wurde. Dieser Ausschuss koordiniert und überwacht die täglichen Aktivitäten der Zentren und stellt deren nachhaltige Verankerung in der Gemeinde sicher. Projektmitarbeitende und Freiwillige informieren das Komitee über Fortschritte und Herausforderungen der Dignity Centers.
Die Komitee-Mitglieder gehen zudem in den direkten Austausch mit den Mädchen, erkundigen sich nach ihrem Lernfortschritt und suchen das Gespräch mit Eltern und Gemeindemitgliedern. Regelmäßige Treffen und Schulungen der Komitees spielen eine zentrale Rolle bei der Erfolgskontrolle, der Bewältigung von Herausforderungen, der Gewinnung von Freiwilligen und der nachhaltigen Unterstützung von Bildungsinitiativen für Mädchen. Die Schulung konzentrierte sich auf Führungsqualitäten, wertschätzende Befragung, Kinderschutz und effektives Zentrumsmanagement auf längere Sicht.
Maßnahmen zur Vermeidung von Schulabbrüchen
Um Schulabbrüche am Besten schon im Vorfeld zu vermeiden, wurde in den Schulen ein Frühwarnsystem eingeführt, um Mädchen frühzeitig zu unterstützen. Dazu wurden mehrere wirksame Maßnahmen etabliert: Die monatliche Erfassung der Schulbesuche, die Auswertung der Lernleistungen nach Prüfungen sowie der gezielte Einsatz speziell geschulter Lehrkräfte, die Risiken erkennen und sensibel auf geschlechterspezifische Themen reagieren.
Ergänzend wurden an weiterführenden Schulen Beschwerdeausschüsse eingerichtet und leicht zugängliche Vorschlags- und Beschwerdeboxen installiert. Auch Gleichaltrige spielen eine wichtige Rolle: Durch die Aktivierung von Kinderclubs solidarisieren und unterstützen sich die Mädchen in ihrem schulischen Alltag.
Auch das Zeigen von Straßentheaterstücken, die das Mitgiftensystem und Kinderheirat thematisieren und für Geschlechterstereotypen und diskriminierende Praktiken sensibilisieren, ist ein wirksames Mittel.
So entsteht ein starkes Netzwerk, das Mädchen schützt, stärkt und ihnen den Verbleib in der Schule sichert.
Hier geht’s zur vollen Projektbeschreibung des Lernchampions Projekts.
Susanne Traud-Dubois, unsere erste Vorsitzende, beim Besuch des Dignity Centers in Palpa im November 2025
