Newsletter 10/2010
Die Dobhi Dorfschule in Bodhgaya, Indien
Die Dobhi Dorfschule liegt in Bodhgaya, Bihar. Das Bundesland Bihar ist so extrem arm, dass es zu den 10 ärmsten Ländern der Welt zählte, wäre es denn unabhängig. Das indische Wirtschaftswachstum und der Computer-Fortschritt passieren woanders. Die Rate von Analphabetismus liegt in Bihar immer noch bei etwa 60%. Und der Teufelskreis der Armut ist so schwer zu unterbrechen.
Bildung, Lernen können, sich weiter entwickeln ist nicht selbstverständlich, erst recht nicht in einem Land wie Indien, erst recht nicht in Bihar. Die meisten Menschen hier sind zu arm, um ihre Kinder auf eine gute Schule zu schicken. An den staatlichen Schulen gibt es zu wenig Lehrer, so dass die Klassen riesig sind. Von Schulbüchern, Heften und Stiften können viele nur träumen. So sind oft weder Lehrer noch Kinder besonders motiviert. Viele Kinder gehen nur wenige Jahre zur Schule und lernen nie richtig lesen, schreiben und rechnen, geschweige denn Englisch.
Wir unterstützen die Dobhi Dorfschule, die von einer ortsansässigen, gemeinnützigen Organisation geführt wird. Unsere Partnerorganisation People First führt noch weitere Schulen in der Umgebung, an denen insgesamt mehr als 800 Kinder lernen. Es werden nur bedürftige Kinder aus armen Familien aufgenommen. In sehr vielen Fällen heißt das, dass die Kinder aus der Schicht der Dalits kommen. Dalits heißen die Kasten, die früher als Unberührbare stigmatisiert wurden. Auch heute noch erleiden sie vielfältige Diskriminierung, werden ausgegrenzt, gar misshandelt. Sie kämpfen noch immer um Grundrechte wie Bildung, Überleben und Menschenwürde in der extrem hierarchischen indischen Gesellschaft.
Eine gute Schulbildung ist natürlich die Grundvoraussetzung, um dem Teufelskreis der Armut zu entkommen. In der Dobhi Dorfschule können 250 Kinder, von denen die Hälfte Mädchen sind, von der ersten bis zur 10. Klasse lernen. Das ist für die Kinder ein Segen, denn die Alternative sind Feld- und Hausarbeit, Kinderheirat und Teenagerschwangerschaften. In den staatlichen Schulen sind es vor allem die Mädchen, die nur wenige Jahre zur Schule gehen. Das ist in der Dobhi Dorfschule anders: Durch die enge Zusammenarbeit mit den Eltern werden diese überzeugt, auch die Mädchen bis zum Sekundarabschluss zur Schule zu schicken. Und gebildete Mädchen sind die Grundvoraussetzung für Entwicklung: sie heiraten später, haben weniger und gesündere Kinder und haben bessere Möglichkeiten, eigenes Geld zu verdienen.
People First bietet auch ein Praktikanten-Programm an. Hier können Menschen, die sich gerne praktisch engagieren wollen, für einige Wochen als Freiwillige den Unterricht unterstützen. Eine zutiefst beeindruckende Erfahrung, nicht nur für Studenten!

