Kreativität statt Resignation


Prabodhini Straßentheater Kreativprojekt

Die indische Demokratie billigt jedem Menschen die gleichen Chancen und Rechte zu. Aber es ist eine ungeheure Anstrengung, das Menschenrecht auf persönliche Entwicklung zu verwirklichen, wenn man im Slum lebt. In einer Umgebung, die von Armut, Unwissenheit, Aberglaube und dem Recht des Stärkeren geprägt ist, haben es Frauen und Kinder besonders schwer. Ein friedliches Leben, in dem sie lernen, kreativ sein und selbstbewusst ihre Menschenrechte wahrnehmen können, ist für viele nur eine ferner Traum. Ohne einen Anstoß von außen und Hilfe zur Selbsthilfe ist es kaum möglich, die eigenen Lebensumstände positiv zu beeinflussen. Was bleibt, ist allzu oft Resignation und Fatalismus.

Prabodhiniheißt ein Projekt in Nagpur, das vor allem Frauen und Kindern hilft, selbst die Initiative zu ergreifen und für sich einzustehen. Karuna Deutschland unterstützt dieses Projekt, das mit ungewöhnlichen Methoden Missstände bewußt macht und dann auch mithilft, die Lebensbedingungen zu ändern.

Das Projekt, entwickelt und geleitet von Dhammacharini Abhayadana und ihrem Team, besteht aus drei großen Blöcken:

Die eigenen sozialen Möglichkeiten erkennen

 

Mit Straßentheater, Gesang und Musik ziehen die Geschichtenerzählerinnen nach uralter indischer Tradition durch die Dörfer in Maharashtra und mittlerweile auch durch die Slums von Nagpur in Zentralindien. Sie zeigen eindringlich, aber auch mit Humor, was sonst im trostlosen Alltag untergeht:

  • Die Diskriminierung von Frauen durch Einfordern von immer mehr Mitgift auch nach vielen Ehejahren durch psychische und oft auch körperliche Gewalt.
  • Die Entscheidung, weibliche Embryos abzutreiben, weil Mädchen später wegen der Mitgiftforderungen der Familien des Ehemanns für die eigene Familie den finanziellen Ruin bedeuten könnten.
  • Häusliche Gewalt durch den Ehemann: 45 Prozent der indischen Frauen werden durch ihre Männer oder die Angehörigen der Familie des Mannes geschlagen; in Slums steigt dieser Anteil auf 75 Prozent der Frauen.
  • Unter der Alkohol- oder sonstigen Drogenabhängigkeit der Männer leiden die Frauen und Kinder mit – Armut und häusliche Gewalt sind oft die Folge.
  • Aberglaube spielt aufgrund von Unwissenheit und mangelnder Bildung eine enorme Rolle in den Slums und Dörfern. Scharlatane aller Art verlangen viel Geld, bizarre Ratschläge führen oft zu weiterer Gewalt, Gesundheitsgefährdungen bis hin zu Todesfällen.
  • Altsein bedeutet im Slum oft genug, für den eigenen Lebensunterhalt betteln zu müssen – die traditionelle Großfamilie bricht im Slum oft auseinander, oder sie ist zu arm, um die Alten zu unterstützen.

Die Frauen stark machen

150 Mädchen und Frauen im Alter zwischen 14 und 40 aus Slums und Dörfern  um Nagpur werden in Workshops über ihre Möglichkeiten und Rechte informiert. Sie lernen Selbstverteidigung, sie nehmen an Gesundheits- und sexueller Aufklärung teil. Projektmitarbeiterinnen können die Frauen in ihren individuellen Situationen beraten.

In Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden werden Kurse für Frauen angeboten, die durch Kleingewerbe ein eigenes Einkommen erwirtschaften wollen.

In Nagpur und Umgebung leben viele Buddhisten, die meist den ärmsten Schichten der ehemals "Unberührbaren" angehören. Für sie ist es auch wichtig, darin bestärkt zu werden, dass Armut und Unterdrückung nicht Kastenschicksal sondern gesellschaftliche Tradition sind. Also nicht gottgewollt sondern menschengemacht. Für viele "Dalits" war es der Hauptgrund ihrer Konversion zum Buddhismus und sie haben großen Bedarf nicht nur an sozialer sondern auch an spiritueller Unterstützung. Daher gibt es in diesem Projekt auch eine Komponente, die dem Rechnung trägt und die buddhistische Lehre mit der Bestärkung der Menschenrechte und der praktischen Bildung verbindet. 

Gesundheitscamps für Kinder

Während der Schulferien gibt es Camps für Kinder zwischen 5 und 14 Jahren, die ihnen helfen, sich trotz der oft problematischen häuslichen Umgebung physisch, psychisch und emotional so gesund wie möglich zu entwickeln. Kinder aus Waisenhäusern werden regelmäßig besucht. In den Camps spielen und lernen Kinder aus den Slums zusammen mit Kindern aus besser gestellten Familien, die oft auch einen anderen Kasten-Hintergrund haben.

Das Projekt kann auf viel Erfahrung mit Gruppen von Freiwilligen zurückgreifen, die aus ähnlichen Verhältnissen kommen und schon gelernt haben, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Für viele von ihnen ist es eine große Befriedigung, die eigenen guten Erfahrungen nun weitergeben zu können.

Prabhodhinihilft Menschen, speziell Frauen und Kindern, sich mit eigener Initiative herauszuarbeiten aus belastenden sozialen Verhältnissen. Statt zu resignieren und sich mit einem Leben in Armut und Unbildung, oft auch in Gewalt, abzufinden, entsteht trotz aller Schwierigkeiten Kreativität und Lebensfreude und selbstbewusstes Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten.

Raman, eine Frau deren Familie von Alkoholproblemen betroffen ist, erzählt:

 

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