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Das Gesundheitsprojekt des Green Tara Trust in Nepal
Interview mit der leitenden Ärztin Dr. Jane Stephens aus England
Karuna Deutschland e.V.: Das Projekt von Green Tara Trust zur Gesundheitsförderung in Nepal läuft nun seit zwei Jahren. Können Sie uns berichten, was bisher erreicht wurde?
Dr. Jane Stephens: Grundsätzlich haben wir bereits mehr erreicht, als wir anfangs erwartet haben. Ich führe das darauf zurück, dass wir uns 18 Monate Zeit für die Vorbereitung genommen haben und mit so vielen Beteiligten wie möglich gesprochen haben. Wir haben versucht herauszufinden, was die Bevölkerung wirklich braucht. Dadurch ist in der Gemeinde der Eindruck entstanden, dass dieses Projekt wirklich ihr Projekt ist, und nicht etwas, was ihnen von einer ausländischen Organisation übergestülpt wird. Die Beteiligung und das Engagement sind daher sehr hoch. Hauptanliegen des Projektes ist, durch Methoden der Gesundheitsvorsorge Verhaltensänderungen herbeizuführen.
Dabei konzentrieren wir uns zunächst auf die Schwangerschaftsvorsorge und Geburtshilfe. Darüber hinaus unterstützen wir Frauen, mehr Aufmerksamkeit auf ihre Gesundheit zu richten. In der Geburtshilfe stellen wir ganz einfache Hilfsmittel zur Verfügung, wie ein Entbindungs-Set, das eine sterile Klinge zum Durchtrennen der Nabelschnur enthält. Ganz wichtig ist auch die Babydecke, die das Auskühlen des Babys verhindert. Wir beraten die Frauen, ihre Säuglinge mindestens sechs Monate zu stillen. Aus der Auswertung unserer Daten des Projektes ergibt sich, dass jetzt mehr Schwangere in den Genuss von Vorsorge und Beratung kommen als vorher. Insbesondere seitdem wir auch in den Gebieten Sprechstunden anbieten können, die drei Stunden Fußmarsch von der Gesundheitsstation entfernt liegen. Der Gebrauch des sterilen Entbindungs-Sets ist viel schneller angenommen worden als erwartet. Wir können auch feststellen, dass Frauen mehr Selbstvertrauen entwickeln, ihre Babys länger zu stillen als bisher. Häufig werden Baby nur 11 Tage voll gestillt, da die junge Mutter dann wieder auf dem Feld arbeiten muss. Die Frauen kommen in Gruppen zusammen, dadurch lernen sie, sich gegenseitig zu unterstützen. Zum Beispiel kam eine sechzehnjährige Schwangere in die Gruppe, die bereits im achten Monat war und bis dahin keine Vorsorge erhalten hatte. Sie hat wie üblich zu Hause entbunden, mit der Hilfe ihrer Schwiegermutter. Kurz vor der Geburt kam die ganze Frauengruppe zu ihr nach Hause, brachte das Entbindungs-Set mit und bestärkte die junge Mutter und ihre Familie darin, für eine sichere Geburt zu sorgen.
Karuna Deutschland e.V.: Wer profitiert am meisten von den Aktivitäten?
Dr. Jane Stephens: Das Programm wird vor allem durch Dorfgruppen durchgeführt und die meisten Teilnehmer sind junge Frauen, also im gebärfähigen Alter, und Schwiegermütter. Und natürlich Schwangere. Diese Frauen profitieren am meisten von den Aktivitäten. Indirekt profitieren natürlich die Babys davon, in einer gesünderen, hygienischeren Umgebung geboren zu werden und eine bessere Versorgung zu erhalten. Frauen, die nicht zu den Gruppen kommen können, werden von den Gesundheitsberatern und freiwilligen Mitarbeitern auch zu Hause besucht. Wir versuchen auch, gemischte Gruppen zu fördern. Allerdings ist das nicht einfach. Zwar sind Männer durchaus daran interessiert, dass ihre Kinder gesund zu Welt kommen. Aber das ganze Thema Schwangerschaft und Geburtshilfe ist traditionell Frauenthema und daher ist es schwierig, Männer mehr mit einzubeziehen. Eine weitere Zielgruppe sind die Mitarbeiter der örtlichen Gesundheitsstationen und auch traditionelle Heiler. Sie sind alle in das Projekt mit einbezogen und haben eine gründliche Weiterbildung insbesondere in Vorsorge und Geburtshilfe erhalten.
Karuna Deutschland e.V.: Was ist das herausragende Merkmal dieses Projektes oder etwas, was besonders innovativ ist?
Dr. Jane Stephens: Wir sehen unser Projekt als Pilotprojekt, das über den unmittelbaren Nutzen vor Ort hinaus wirkt. Denn erstens kombinieren wir eine ganze Reihe von bewährten Methoden der Gesundheitsvorsorge. Andere Gesundheitsprojekte nutzen meist nur eine Methode. Dadurch können wir flexibler auf die lokalen Anforderungen eingehen und es fühlen sich mehr Menschen angesprochen. Unser Eindruck bisher ist, dass die Bevölkerung das Programm außerordentlich gut annimmt, es sich also zueigen macht.
Zweitens: wir legen sehr viel Wert auf die Evaluierung unserer Arbeit. Evaluierung heißt, dass wir die Wirkung unserer Arbeit durchgängig erfassen und auswerten. Durch diese intensive Evaluierung unseres Projektes können wir andere von der Wirksamkeit unseres Ansatzes überzeugen. Wir haben bereits sechs Artikel in renommierten, internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht.
Drittens ist ein Ziel unserer Arbeit, dem Gesundheitsministerium in Nepal aufzuzeigen, wie die Gesundheitsvorsorge im ländlichen Raum auch bei geringem Budget verbessert werden kann. Dadurch geben wir wichtige Impulse bei der Überarbeitung des Ausbildungskurrikulums für alle Gesundheitsberufe, von einfachen Dorfsanitätern bis hin zum ärztlichen Personal. Diese Überarbeitung des Kurrikulums findet derzeit statt und wir begleiten den Prozess auf der Universitätsebene.
Somit haben wir eine Wirkung sowohl auf der Dorfebene, als auch national und international. Ich denke, dass das für unser doch recht kleines Team eine beachtliche Leistung ist. Ich möchte auch noch betonen, dass wir das Projekt zu sehr niedrigen Kosten durchführen. Wir beschäftigen drei festangestellte nepalesische Mitarbeiter (neben vielen ehrenamtlichen), während die vier internationalen Experten unentgeltlich arbeiten, aber nicht das ganze Jahr über vor Ort sind. Dadurch können wir das Projekt für etwa 40.000 Euro pro Jahr durchführen.
Karuna Deutschland e.V.: Was ist für das nächste Jahr geplant?
Dr. Jane Stephens: Wir werden das Programm weiterführen und noch weitere Gruppen hinzu nehmen, vor allem aus besonders benachteiligten Schichten. Wir wollen eine weitere Projektkomponente zusammen mit einer anderen Organisation einrichten. Da wird es um Einkommen schaffende Maßnahmen für Frauen gehen. Und natürlich werden wir wieder unsere zwei Großveranstaltungen durchführen, wo wir im Rahmen eines großen Festivals über Gesundheitsaspekte aufklären. Das nächste findet in ein paar Tagen statt. Es gibt nämlich einen Schwiegermutter-Tag in Nepal. Der einzige Tag, an dem die jungen Schwiegertöchter ihren Schwiegermüttern die Meinung sagen dürfen. Wir nutzen diesen Tag für unser Festival, um durch Theater, Gesang, Tanz und Filmvorführungen für bessere Vorsorge zu werben. Da wir hier in Nepal gerade Monsun haben, wird die Teilnehmerzahl wohl niedriger sein als im letzten Jahr. Trotzdem rechnen wir mit 700 Teilnehmern.
Karuna Deutschland e.V.: Haben Sie eine besondere Nachricht an unsere Leser?
Dr. Jane Stephens: Zu aller erst möchte ich allen herzlich danken, die unsere Arbeit unterstützen. Ich möchte auch sagen, dass Ihr Geld sehr gut genutzt wird. Wir erreichen mit unserem Programm 10.000 Dorfbewohner in abgelegenen Gebieten und unsere Verwaltungskosten sind extrem niedrig. Für einen Euro können wir drei sterile Entbindungssets kaufen, für drei Euro eine warme Babydecke. Unsere Arbeit mit dem Ministerium und Universitäten geht gut voran und erste Empfehlungen werden bereits umgesetzt.
Aber wir können unsere Arbeit nur fortsetzen, wenn wir von anderen unterstützt werden. Wir sind alle miteinander verbunden und ich bin überaus dankbar für unsere Fundraiser und Spender, so dass wir dazu beitragen können, die Lebensbedingungen der Menschen in Nepal zu verbessern.
Karuna Deutschland e.V.: Frau Dr. Stephens, vielen Dank für das Gespräch!
August 2009

